07/03/26

Ankerherz Zeitmaschine: Die alte Eleganz von Helgoland

Helgoland war einst ein mondäner Badeort in der Nordsee – besonders bei britischen Gästen galt die Insel als fast romantischer Sehnsuchtsort. Doch Krieg und eine der größten Explosionen der Nachkriegszeit haben das Gesicht der Insel radikal verändert. Eine alte Ansichtskarte erinnert daran, wie es früher einmal war.
Postkarte von Helgoland, ca 1920 aus dem Ankerherz Archiv

Ich habe diese Postkarte in einem kleinen Hamburger Antiquariat entdeckt, zwischen alten Hafenansichten und einem vergilbten Dampferfahrplan. Sie ist mehr als einhundert Jahre alt, vermutlich stammt sie aus dem Jahr 1919. 

Zwei Frauen gehen in eleganten Sommerkleidern über eine Mole auf den Fotografen zu. Eine trägt einen Sonnenschirm, wie er damals modern war. Sind die Damen Sommergäste? Stammen sie vielleicht aus England? Helgoland war damals ein mondäner Badeort.

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Seit dem 19. Jahrhundert kamen Besucher aus Hamburg, Bremen und Berlin – aber auch besonders aus Großbritannien. Bis 1890 gehörte die Insel zum britischen Empire, und noch Jahrzehnte danach galt sie vielen Briten als romantischer Außenposten in der Nordsee.

Der Leuchtturm auf dem Foto war damals noch relativ neu. Er wurde 1902 gebaut, war etwa 41 Meter hoch und stand auf dem höchsten Punkt des Oberlands. Zusammen mit der Höhe des Felsens ragte sein Licht mehr als hundert Meter über die Nordsee hinaus. Das Feuer war über 50 Kilometer weit sichtbar und diente als Orientierungspunkt.

Die alte Eleganz von Helgoland

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Helgoland von Hitler-Deutschland stark befestigt. Bunker, Geschützstellungen und unterirdische Anlagen durchzogen den Felsen. Damit wurde die Insel als Seefestung der Nazis zu einem wichtigen strategischen Ziel. Am 18. April 1945 griff die Royal Air Force Helgoland mit mehr als tausend Bombern an. Große Teile der Bebauung wurden zerstört.

Tod des Leuchtturmwärters

Auch der Leuchtturm, der auf dieser Postkarte zu sehen ist, brannte aus. Dabei kam der Leuchtturmwärter ums Leben, der während des Angriffs im Turm war. Das Dorf, das auf der Postkarte noch an den Klippen zu sehen ist, lag danach in Trümmern.

Nach Kriegsende blieb Helgoland zunächst unbewohnt. Die britische Armee nutzte die Insel als Bombenübungsplatz. Am 18. April 1947 sprengten britische Pioniere in der sogenannten Operation „Big Bang“ die riesigen Bunkeranlagen im Felsen. Mehrere tausend Tonnen Sprengstoff detonierten gleichzeitig – eine der größten nichtnuklearen Explosionen der Geschichte. 

Erst 1952 durfte Helgoland wieder besiedelt werden. Aus einem ehemaligen Flakleitstand entstand später der heutige Leuchtturm, der bis heute über der Insel steht. Mehr als hundert Jahre später haben wir diese Postkarte als Erinnerung an die alte Eleganz von Helgoland. Ein Blick in eine Zeit, die lange verschwunden ist.

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