09/04/26

Britische Walretter nehmen deutsche Experten in Schutz

In Teilen der Öffentlichkeit – und besonders in den sozialen Medien – sind Experten, die sich um den verirrten Buckelwal in der Ostsee bemühen, hämischer und oft überzogener Kritik ausgesetzt. Während online schnell Urteile gefällt werden, kommt eine international abgesehene Fachorganisationen zu ganz anderen Einschätzungen.
Britische Walretter nehmen deutsche Experten in Schutz

Die British Divers Marine Life Rescue (BDMLR), eine der renommiertesten Organisationen für die Rettung von Meeressäugern in Großbritannien, hat sich in einer Stellungnahme auf ihrer Webseite klar positioniert. Die Experten verweisen darauf, dass der Buckelwal, der seit Tagen nahe der Insel Poel festliegt, bereits mindestens dreimal gestrandet ist. Für sie ist das ein eindeutiges Zeichen: Weitere Versuche, den Wal freizubekommen, würden mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut scheitern.

Rückendeckung für deutsche Experten

Wörtlich heißt es, das Tier sei „zu geschwächt bzw. dem Tod so nahe“, um noch überleben zu können. Jede erneute Rückführung in tiefes Wasser würde das Leiden verlängern. Ein Kreislauf aus Bergen, Aussetzen und erneutem Stranden. Um zu überleben, müsste der Wal den Ausweg aus der Ostsee in den Atlantik finden - in diesem Punkt waren sich alle Experten einig.

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Eine Einschläferung, wie sie bei kleineren Walen unter Umständen praktiziert wird, ist im Fall des Buckelwals aufgrund der Größe des Tieres nicht umsetzbar. Dazu würden zu große, kaum verfügbare Mengen Gift benötigt, die auch ins Meer gelangen könnten. Ein Erschießen komme ebenfalls nicht in Frage. Kein Kaliber ist groß genug, um einen solch großen Wal - 13 Meter lang und tonnenschwer - zuverlässig und schnell zu töten.

Einschläfern des Wals unmöglich

Damit bleibt eine der schwierigsten Situationen im praktischen Meeresschutz: die Abwägung zwischen möglichen Rettungsmaßnahmen und dem Verhindern weiteren Leidens. Ein Dilemma, vor dem Tierschützer immer wieder stehen, wenn ein großer Wal strandet.

"Somit bleibt nur noch eine Option: palliative Versorgung beziehungsweise das Tier auf natürliche Weise sterben zu lassen. Dies ist eine weltweit häufig vorkommende Situation in allen Ländern, in denen es zu Strandungen großer Wale kommt, und daher kein Einzelfall, der auf diese spezielle Situation in Deutschland beschränkt ist", schreiben die britischen Tierschützer.

Fachliche Ahnung gegen stumpfen Populismus

Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 ist die Organisation eine zentrale Säule des Meeresschutzes an den britischen Küsten. Ihre Teams reagieren auf Notfälle mit Walen und Delfinen, versorgen verletzte Robben und befreien Tiere aus Fischereigerät. Oft sind sie die ersten Helfer vor Ort – in abgelegenen Küstenregionen, bei schlechtem Wetter und unter erheblichem Zeitdruck.

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Der Fall des Buckelwals zeigt vor allem eines: Zwischen emotionaler Anteilnahme und fachlicher Bewertung liegt oft eine große Distanz. Während in sozialen Netzwerken einfache Lösungen gefordert werden, stehen Einsatzkräfte vor komplexen, oft tragischen Entscheidungen, die Roswitha und Herbert aus der YouTube-Akademie kaum umreißen.

Unsere Meinung: Dass Experten derart angegangen und Helfer verunglimpft werden - nach Angaben von Landesumweltminister Backhaus (SPD) gab es sogar Morddrohungen - ist ein Sittengemälde dafür, wie sich Teile unserer Gesellschaft aufführen. Aggressive Dummheit in Zeiten des Populismus.

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