23/01/25

Der furchtbare Fehler eines Kapitäns im Royal Charter Sturm

Oktober 1859, der Segler gerät auf der Heimreise von Australien nach Liverpool in einen Sturm. Der Kapitän macht einen Fehler, der die Seefahrt verändern wird. Exklusiver Auszug aus dem Ankerherz-Buch "Das muss das Boot abkönnen". 
Der furchtbare Fehler eines Kapitäns im Royal Charter Sturm - Ankerherz Verlag

Kapitäne überlassen in Vorbereitung auf einen Sturm nichts dem Zufall. Sie stellen sich auf Unwägbarkeiten ein, studieren die aktuellen Wetterberichte. Informieren sich noch mal bei der Wetterberatung. Ganz anders als in früheren Zeiten, als jede Reise ein Spiel mit den Ungewissheiten war und manche Kapitäne geradewegs in ihren Untergang segelten. 

Eine solche Katastrophe, der in die Geschichtsbücher einging und 449 Menschen das Leben nahm, ereignete sich am 26. Oktober des Jahres 1859 vor der Küste von Wales.

Der Fehler des Kapitäns

Grund des Untergangs war ein furchtbarer Orkan. Doch auch mehrere Fehleinschätzungen eines Kapitäns spielen eine Rolle. Die „Royal Charter“ galt als eines der fortschrittlichsten und schnellsten Schiffe ihrer Zeit. Ein typischer, schneller Klipper zwar, statt aus Holz aber mit Eisen gebaut und zusätzlich mit Dampfmaschinen und einer zweiblättrigen Schraube versehen.

Das Beste der Frachtsegler also kombiniert mit dem damals modernen Dampf, und die Reederei in Liverpool vermarktete besonders die Geschwindigkeit ihres Flaggschiffs. Für die Reise von England nach Australien benötigte sie im Schnitt 60 Tage, was als hervorragender Wert galt. Nur, wenn es vor Kap Hoorn besonders stürmisch zuging, dauerte es länger.

Letzter Hafen: Cork in Irland

Das Schiff befand sich von Melbourne auf dem Weg nach Liverpool, unter dem Kommando von Kapitän Thomas Taylor. Zwei Monate brauchte die „Royal Charter“, eine ziemlich gewöhnliche Passage ohne besondere Vorkommnisse. Am 24. Oktober lief das Schiff Cork an der Südküste Irlands an, wo 14 Passagiere von Bord gingen.

Doch als das Schiff die Hafenstadt verließ, zog ein schwerer Sturm auf. Das Wetter verschlechterte sich stündlich, doch der Zielhafen Liverpool kam immer näher. Er war schon so nahe, dass die Angehörigen der Passagiere über die sichere Ankunft informiert wurden. Auf Höhe der Insel Anglesey schüttelten mächtige Böen das Schiff. Die See wurde immer rauer. Überlebende berichteten, dass Kapitän Taylor die Weisung erhalten habe, im nahegelegenen Hafen von Holyhead Schutz zu suchen.

Liverpool ist so nahe

Der Kapitän aber entschied sich anderes. Liverpool war doch so nahe. Er gab Befehl, auf Kurs zu bleiben, nur etwa fünf Seemeilen unter der Küstenlinie. Auf Höhe des Leuchtturm Lynas Point sollte die Royal Charter einen Lotsen aufnehmen. Doch der Sturm tobte nun bereits mit zehn bis elf Beaufort. Keine Chance, den Mann an Bord zu bekommen.

In der Nacht erreichte der Wind dann die Stärke eines Hurrikans. Taylor hatte die Segel einholen lassen. Die Maschine schaffte es kaum noch, gegen die Wellen anzukommen. Er entschied nun doch, den Sturm vor Anker abzuwettern, in der Red Wharf Bay.

Schiff treibt auf die Klippen zu

Als der Orkan seinen Höhepunkt erreichte, brach zuerst die Verbindung zum Backbord-Anker. Das Schiff begann zu treiben, und des dauerte nicht lange, bis auch der Steuerbord-Anker nicht mehr hielt. Die „Royal Charter“ trieb auf die Klippen zu. Kapitän Taylor feuerte Notraketen ab und ließ die Masten kappen, um dem Orkan weniger Angriffsfläche zu bieten. Doch es war zu spät.

Die Brecher warfen das Schiff auf die Klippen und begannen, den Rumpf aus Eisen zu zertrümmern. Ein Crewmitglied, er hieß Joseph Rogers, schaffte es schwimmend an Land. Er stellte eine Leinenverbindung her, über die sich einige kräftige Passagiere und Crewmitglieder retten konnten. Manchen gelang es auch, an die Küste zu schwimmen.

Für die meisten aber gab es keine Rettung. Sie ertranken oder wurden auf die Felsen geschleudert. 449 Menschen starben in dieser Nacht, darunter alle Frauen und Kinder an Bord. Nur 39 überlebten. Man benannte diesen furchtbaren Sturm später nach dem Schiff, das er zerstörte, und es gab noch andere, weitreichendere Folgen.

Unter dem Eindruck des Orkans führte Kapitän Robert FitzRoy, Gründer und Chef des Wetterdienstes Met Office (Foto), einen Sturmwarnungsdienst ein. Auch eine besondere Geschichte, dieser Kapitän, der die moderne Wettervorhersage erfand. Charles Dickens inspirierten die Ereignisse zu einer Kurzgeschichte namens „The Uncommercial Traveller“.

Der Royal Charter Sturm gilt in der Region als schwerster Orkan des 19. Jahrhunderts und bis heute als schlimmster Orkan in Geschichte von Wales. (...)

 

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