Ein Imbissbetreiber aus Warnemünde namens Nemo Borowski, also ein Mann mit einem Namen wie aus einem Roman von T.C. Boyle, sorgte mit einer cleveren Idee im Norden für Schlagzeilen. Er bot die erste „Fischbrötchen-Versicherung“ der norddeutschen Küste an.
Wer immer vor seiner Bude Opfer einer diebischen Möwe werde, so versprach er, bekomme mit der „Police“ ein neues Fischbrötchen. Also in einem bestimmten Radius zu seinem Stand, zeitnah zum Kauf und in eindeutiger Unschuld.
Die Fischbrötchen-Versicherung
Wer die Vögel bewusst anlockte, wie es manche Verrückte noch immer tun, bekam natürlich nichts. Der Hinweis aber war unnötig, denn die Möwen gehörten zu den ersten Stammkunden: In den ersten Tagen nach Eröffnung seiner „Wal-Bar“ zählte er dreißig Attacken von Geschnabelten.
Nemo Borowski hatte aus einer Not eine Werbung gemacht.
vDenn selten war ein Klischee so wahr wie vor diesem Imbiss an der Ostsee: Die Möwe, die schon auf dem Dach lauert, wenn das Objekt der Begierde über die Theke gereicht wird. Lauernde Fischbrötchen-Diebe, denen nichts entgeht. Nun sind die Aktivitäten wissenschaftlich untersucht worden – und die Erkenntnisse sind erstaunlich.

Eine Frage, die sich die Forscher stellten: Was fressen Möwen wirklich am liebsten? Ein Team der britischen Universität Exeter zog dafür extra 27 Silbermöwen-Küken groß, also Waisen, die von ihren Eltern verstoßen worden waren (bevor sich wieder jemand künstlich aufregt). Ein Teil der Tiere erhielt „Stadt-Futter“, Brot und Katzenfutter, der andere Teil klassische „Meeres-Kost“, was Fisch und Muscheln meint.
An Tag 5, 10, 15 und 35 des Experiments konnten die Küken frei entscheiden, in welches von vier Schälchen sie pickten. Die meisten kleinen Seemöwen entschieden sich für – nicht wirklich eine wissenschaftliche Sensation – den Fisch. Das Brot nahmen sie nur in den Schnabel, wenn gar nichts anderes mehr übrig war.
Clevere Möwen
Natürlicher Überlebensinstinkt, denn der übermäßige Konsum von Brot, das sie nur schwer verdauen können, führt in extremen Fällen dazu, dass Möwen mit vollem Magen verhungern.
Noch etwas fanden die britischen Forscher heraus. Starrt man Möwen an, ist es unwahrscheinlich, dass sie einem das Essen klauen. Möwen fühlen sich unwohl, wenn man sie beobachtet. Sie haben gerne alles genau im Blick, sind dabei aber am liebsten unsichtbar...


























