11/05/26

"Hondius"-Kapitän wendet sich an Crew und Öffentlichkeit

Mit der Evakuierung der letzten Passagiere geht eine der ungewöhnlichsten Krisen der jüngeren Kreuzfahrtgeschichte zu Ende. Das Expeditionsschiff Hondius des niederländischen Veranstalters Oceanwide Expeditions war Schauplatz eines Hantavirus-Ausbruchs, der drei Todesopfer forderte und weltweit für Schlagzeilen sorgte. Nun hat sich Kapitän Jan Dobrogowski in einer Videobotschaft – aufgenommen an Bord – erstmals persönlich geäußert.
"Hondius"-Kapitän wendet sich an Crew und Öffentlichkeit

Seine Worte sind ruhig, aber von spürbarer Erschütterung geprägt. Der Kapitän dankt seiner Besatzung und den Passagieren für ihre „Geduld, Disziplin und Freundlichkeit" in einer Situation, auf die sie niemand vorbereiten konnte. Ein tödliches Virus an Bord eines Schiffes - weit draußen auf See.

"Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft"

„Diese vergangenen Wochen waren extrem anstrengend", sagt Kapitän Dobrogowski. Doch er hebt hervor, was ihn trotz allem beeindruckt habe: Die Menschen an Bord hätten unter schwersten Umständen „Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft" gezeigt. Er habe erlebt, dass Menschen einander vertrauen können – auch wenn Hilfe nicht sofort bereitsteht.

Der Ursprung des Ausbruchs liegt nach aktuellen Erkenntnissen der WHO vermutlich in Argentinien, wo das Schiff seinen Rejs begonnen hatte. Ein niederländisches Ehepaar soll sich dort mit dem Andesvirus infiziert haben, dem einzigen bekannten Hantavirus, das von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Üblicherweise werden Hantaviren durch Nagetiere weitergegeben.

Schiff soll nach Rotterdam zurückkehren

Am Sonntag lief die Hondius in Teneriffa ein. Am Montag wurden die verbliebenen Passagiere und ein Großteil der Besatzung von Bord gebracht. Das Schiff soll anschließend zurück nach Rotterdam fahren. Vier betroffene deutsche Passagiere – aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen – wurden über das Uniklinikum Frankfurt in ihre jeweiligen Bundesländer weitergeleitet.

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In seiner Videobotschaft schließt Dobrogowski mit einem Gedanken, der mehr ist als eine Floskel: Seine Gedanken seien bei den Verstorbenen und ihren Angehörigen. Allen anderen wünsche er eine sichere Heimreise.

Ruhige Hand des Kapitäns

Zur Person: Jan Dobrogowski ist Absolvent der Universität für Seefahrt in Gdynia und gilt als erfahrener Kapitän der Hochseeschifffahrt mit einer Spezialisierung auf Polarexpeditionen. Dass er seine Crew und die Passagiere durch diese Krise geführt hat – ohne Panik, mit sichtbarer Menschlichkeit –, hat nicht zuletzt das BBC-Videomaterial gezeigt, auf dem er den Tod des ersten Passagiers mit bemerkenswert ruhiger Hand ankündigte.

Sein Beispiel zeigt, was Kapitäne in Krisensituationen mitmachen - und was wir von ihnen in Sachen Resilienz lernen können. Lies mehr in Stefans Buch "Das muss das Boot abkönnen" - ein echter Mutmacher in Zeiten der Dauerkrise.

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