Mindestens zwei Mal im Jahr reise ich mit dem Schiff nach Island. Ich genieße es immer, in Seydisfjördur an der Ostküste anzukommen, dem tiefen „Fjord mit der Feuerstelle“, wie es übersetzt heißt. Wildes Meer, mächtige Berge. Freundliche, leicht verschrobene Menschen, die (es stimmt wirklich) an die Existenz von Elfen und Trollen glauben. Dazu kommt eine köstliche Küche. Unsere „Skua“-Tour, die wir nach der großen Raubmöwe des Nordatlantiks nannten, ist beliebt.
Island zu mögen, das fällt nicht schwer: Es existiert kein McDonald‘s und keine Mücke auf der Insel. Es gibt saubere Energie aus vulkanischer Erde, ein ausgeprägtes Faible für Speiseeis und Fußball und die größte Dichte an Büchern und Magazinen auf der Welt. Die Majestät der Natur lockt immer mehr Touristen an, so viele, dass es schon Diskussionen darüber gab, ob 2,3 Millionen Gäste für dieses kleine Land nicht längst zu viele sind.
Island und EU-Beitritt
Teil der Europäischen Union wollte Island aber nicht werden, obwohl es weite Teile der EU-Gesetzgebung längst übernahm. Was Themen wie Lebenserwartung, innere Sicherheit und Gleichstellung der Geschlechter angeht, schneidet Island besser ab als die meisten EU-Staaten. Das kleine Land im Nordatlantik – erst seit 1944 unabhängig von den Dänen und reich an der wertvollen Ressource Fisch – macht gerne das eigene Ding. Wikinger im Herzen, heute noch.

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Bis Donald Trump überlegte, das engste Nachbarland Grönland militärisch zu erobern und sein neuer Botschafter andeutete, Island könne doch 52. Bundesstaat der USA werden. Ein angeblicher „Scherz“, für den er sich rasch entschuldigte. Darüber lachen mochte auf der Insel aber niemand.
Grönland-Krise bewirkt Umdenken
„Die Grönland-Krise hat definitiv einen Nerv getroffen“, sagt Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir im Gespräch mit der „New York Times“. Der Schmerz führte zu einem Umdenken, das noch vor Kurzem als unmöglich galt. Schon im August könnten 400.000 Isländer in einem Referendum darüber abstimmen, ob das Land Beitrittsgespräche mit der EU aufnehmen soll.

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Denn was wiegt nun stärker: Die Sorge um den Fisch, die Landwirtschaft und vor Brüssels Bürokratie – oder um die Sicherheit in einer verrutschenden Weltordnung? Island ist zwar Mitglied der NATO, besitzt aber kein eigenes Militär. Die Insel gilt als strategisch enorm wichtig für die Arktis, also eine Region, in der Russland, China und die USA nach Ansicht vieler Experten schon bald um Bodenschätze und Seewege streiten werden.
Trump und Island
Im März unterzeichnete Island ein neues Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaftsabkommen mit der EU. Eine vollwertige Mitgliedschaft wäre ein noch besserer Schutz, finden immer mehr Isländer. Andere nordische Länder wie Finnland und Schweden entschlossen sich nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine schließlich auch zu einer radikalen Wende in der Außenpolitik.
So hat das Großmachtgeklöter Putins und Trumps doch etwas Gutes. Es lässt zusammenrücken, was gefühlt schon lange zusammengehört. Island in der EU? Ich würde mich freuen.

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland. Gerade erschien sein neues Buch „North Star“.

























