Es gibt Orte, die riechen nach Salzluft und Diesel und Fisch. Gloucester ist so ein Ort. Amerikas ältester Fischereihafen, 1623 von Engländern besiedelt, nur drei Jahre nach der Ankunft der Pilgerväter in Plymouth. 2023 feierte die Stadt ihr 400-jähriges Bestehen als Fischereigemeinde. Seit vier Jahrhunderten prägt der Atlantik hier Leben, Arbeit und Identität.
Spätestens seit Sebastian Junger seinem Buch Der Sturm – und dessen Verfilmung Der Sturm – steht der Name der Stadt weltweit für die Gefahren, denen sich Fischer draußen auf dem offenen Meer stellen. Wir von Ankerherz durften das Buch verlegen.
Nun trauert Gloucester erneut.
Die U.S. Coast Guard hat die Suche nach der vermissten Crew des Fischereifahrzeugs Lily Jean eingestellt. Das knapp 24 Meter lange lange Boot war rund 25 Seemeilen vor der Küste von Massachusetts verschwunden, nachdem ein EPIRB-Notrufsignal empfangen worden war.

Mehr als 24 Stunden lang suchten Einsatzkräfte mit Schiffen und Flugzeugen ein riesiges Seegebiet ab, über 1.000 Quadratmeilen. Ein Mensch wurde tot geborgen, außerdem fand man eine ausgelöste, aber leere Rettungsinsel. Fünf weitere Besatzungsmitglieder gelten als vermisst. Wie es zum Unglück kam, ist unklar.
Junge Fischereibeobachterin unter den Opfern
Unter den Opfern ist die 22-jährige Fischereibeobachterin Jada Samitt, Absolventin der University of Vermont. Ihre Familie beschrieb sie als lebensfroh, mitfühlend und zutiefst überzeugt von der Bedeutung ihrer Arbeit an Bord. Fischereibeobachter dokumentieren Fangmengen, Beifang und Abläufe – eine Aufgabe zwischen Wissenschaft, Kontrolle und praktischer Seefahrt.

Freunde und Angehörige identifizierten außerdem Sean Therrien (45), John Paul Rousanidis (33), Paul Beal und seinen Sohn Paul Beal Jr. sowie den Skipper Gus Sanfilippo, der durch die Fernsehserie Nor'Easter Men einem breiteren Publikum bekannt war. Für Gloucester aber waren sie vor allem eines: Fischer. Kollegen. Söhne der alten Stadt am Atlantik.

























