Das Auktionshaus Henry Aldridge & Son (von dem auch die Fotos dieses Beitrags stammen) hatte die cremefarbene Weste im Vorfeld als „einmalige Gelegenheit“ beschrieben. Die Erwartungen lagen bei umgerechnet 290.000 bis 400.000 Euro. Eine Summe also, die anderswo für einen Hauskauf eingesetzt wird.
Die Weste ist deshalb von besonderem Wert, weil ihr ursprünglicher Träger eindeutig identifiziert werden kann. Sie gehörte Laura Mabel Francatelli, einer 22-jährigen Passagierin der ersten Klasse. Francatelli war Sekretärin der Modedesignerin Lady Lucy Duff Gordon und befand sich an Bord der Titanic auf dem Weg nach Chicago. In der Unglücksnacht trug sie die Weste, bevor sie in Rettungsboot Nummer 1 stieg.
Rettungsweste wurde in Rettungsboot 1 getragen
Dieses Boot sollte später selbst Teil der Kontroverse werden. Es war für etwa 40 Personen ausgelegt, wurde jedoch mit nur zwölf Menschen zu Wasser gelassen. Berichte aus der Zeit werfen zudem Fragen auf, warum das Boot nicht zu den im Wasser treibenden Schiffbrüchigen zurückkehrte. Auch mögliche Zahlungen von Sir Cosmo Duff Gordon an Besatzungsmitglieder wurden diskutiert, ohne dass die Umstände jemals abschließend geklärt wurden.

Francatelli gehörte jedenfalls zu den rund 700 Menschen, die die Katastrophe überlebten. Sie wurde wie viele andere Gerettete von der RMS Carpathia aufgenommen, die Stunden nach dem Untergang am Unglücksort eintraf. Insgesamt kostete die Havarie etwa 1.500 Menschen das Leben.
Mythos Titanic ungebrochen
Die nun versteigerte Weste – gefertigt aus Segeltuch mit korkgefüllten Einsätzen – blieb über Jahrzehnte im Besitz der Familie, bevor sie vor rund 20 Jahren in private Hände überging. Danach wurde sie unter anderem im Titanic-Museum in Pigeon Forge im US-Bundesstaat Tennessee sowie im Museum Titanic Belfast ausgestellt.
Dass ein solches Objekt überhaupt auf den Markt kommt, ist eine Ausnahme. Nach Angaben des Auktionators Andrew Aldridge existieren weltweit nur noch wenige Rettungswesten, deren Träger bekannt sind. Die meisten befinden sich dauerhaft in Museen und werden nicht verkauft.
Der Rekord für ein Titanic-Erinnerungsstück tickt: 2024 erzielte eine goldene Taschenuhr rund 1,8 Millionen Euro. Sie war dem Kapitän der Carpathia geschenkt worden – jenem Schiff, das in jener Aprilnacht vor 114 Jahren zur letzten Hoffnung für Hunderte wurde.
Auktionssumme erscheint unglaublich
Für welche Summe die Rettungsweste versteigert wurde? Am Ende fiel der Hammer bei rund 770.000 Euro. Ein Betrag, der die Schätzung deutlich übertraf und unglaublich erscheint. Wer der Käufer oder die Käuferin ist, wurde nicht bekannt. Das Gebot ging per Telefon ein und wird vom Auktionshaus diskret behandelt.
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