Kaum zwei Kilometer vor der Landspitze von Land's End, dem westlichsten Punkt des englischen Festlands, steht der Longships Lighthouse auf dem Felsen Carn Bras. Die See hier ist berüchtigt. Über 130 dokumentierte Schiffswracks liegen rund um das Kap.
Und das sind nur jene, die man kennt.
Der erste Leuchtturm auf den Longships-Felsen wurde 1795 errichtet. Doch bei schwerem Seegang war die Laterne so oft von Gischt verdeckt, dass das Licht kaum als verlässliches Navigationsmittel gelten konnte. 1875 ersetzte der heutige, 35 Meter hohe Granitturm das ältere Bauwerk. Seit 1988 vollautomatisch, seit 2005 auf Solarenergie, blinkt er alle zehn Sekunden zweimal – sichtbar bis auf 28 Kilometer. Ein stilles, beharrliches Signal, wenn ein Sturm tobt.
Notruf in der Nacht
Es sind die frühen Morgenstunden, als beim HM Coastguard ein Notruf eingeht. Ein Einhandsegler meldet sich: Er hat die Kontrolle über sein Großsegel verloren, die Schraube ist durch lose Leinen gefouled – der Motor ausgefallen. Dazu kommt Seekrankheit, der Mann ist desorientiert und kaum in der Lage, das Boot zu kontrollieren. Sein Schiff treibt genau in Richtung des Land's End Traffic Separation Schemes, einem der verkehrsreichsten Schifffahrtswege vor der Westspitze Englands.

Ein führerlos treibendes Boot in einem Trennungsgebiet bedeutet Lebensgefahr für den Skipper. Und eine Gefahr für kleine Frachter und Trawler, der in der Dunkelheit am Land's End unterwegs sind.
Penlee RNLI im Einsatz: City of London III läuft aus
Das Penlee RNLI-Seenotrettungsboot City of London III, ein Tamar-class Allwetter-Rettungsboot, läuft unter dem Kommando von Steuermann Nick Hichens mit sechs Freiwilligen aus. Was die Mannschaft vor Ort vorfindet, ist eine Situation voller Komplikationen.
Die Yacht treibt weiter auf das Trennungsgebiet zu. An Bord kein funktionierendes UKW-Funkgerät – alle Kommunikation muss über Mobiltelefon und den Coastguard als Relaisstation laufen, umständlich und träge. Der Segler ist zu seekrank, um an Deck zu kommen und eine Schleppverbindung herzustellen. Ein Anlegen wäre für die Besatzung selbst lebensgefährlich. Hichens trifft die Entscheidung: Schleppen zum nächsten sicheren Hafen – aber dafür muss erst jemand auf die Yacht.
Hubschrauber, Fähre, Seenotretter
Der HM Coastguard Rettungshubschrauber kommt an – kann aber wegen des festgeklemmten Großsegels und der schlechten Bedingungen niemanden abseilen. Der Hubschrauber muss zusehen. Dann eine kreative Lösung: Der Coastguard bittet die Passagierfähre "Norbay", die gerade das Trennungsgebiet passiert, als Windschutz zu dienen – damit das Rettungsboot in ruhigeres Wasser kommt.
Während die "Norbay" sich in Position bringt, versucht die Besatzung der City of London III weiter, eigenständig an die Yacht heranzugehen. Nach fast zweieinhalb Stunden auf See gelingt es: RNLI-Freiwilliger George Williams setzt auf die Yacht über, versorgt den Segler und stellt die Schleppverbindung her. Fähre und Hubschrauber werden aus dem Einsatz entlassen.
Ein langer Weg zurück in den Hafen
Mit George Williams an Bord der Yacht und der City of London III als Begleitung beginnt der Schlepp nach Newlyn – dem nächsten sicheren Hafen. Stetig machen beide Fahrzeuge Fortschritt. Gegen 06:20 Uhr morgens machen sie fest. Der Skipper ist wohlauf, die Yacht liegt sicher. Die Mannschaft tritt den Rückweg zur Station an-
Ohne Schlagzeile, ohne Applaus.


























